Mühle von Kakundu Drucken
Die Gruppe

Ca. 50 km nördlich von Bukavu hat sich aus vier Dörfern ein Komitee zur Entwicklung ihrer Region gebildet (Comité de développement de Kakundu - CDK). In der Gruppe engagieren sich Teilnehmer aus Alphabetisierungsgruppen zusammen mit anerkannten Persönlichkeiten, die bestimmte Aufgaben in der Region erfüllen. Die Funktionen im CDK sind auf Frauen und Männer verteilt, was sich sehr belebend auf die Arbeit auswirkt. Die Gruppe versucht, sich möglichst unabhängig vom angrenzenden wirtschaftlichen Zentrum zu machen.


Bisher verwirklicht

Die Gruppe hat eine einfache, ca. 5km lange Straße angelegt, die die 4 Dörfer mit dem Kleinzentrum Miti verbindet. Auch unterhält die Gruppe die Straße.

Zwei Hügel, die wegen ihrer Verkarstung schon zu sozialen Problemen geführt haben, wurden wieder aufgeforstet und mit Nutzpflanzen bepflanzt. Demnächst werden sie als Weide genutzt.

In allen vier Dörfern wurden Alphabetisierungsgruppen aufgebaut, die aus 2 bis 3 Klassen bestehen und sich gegenseitig helfen.

In einem Demonstrationsgarten werden Familien mit Gemüsesamen vertraut gemacht, die diese bisher nicht kannten.

Die Gruppe hat bereits eine mit Wasserkraft betriebene Mühle gebaut, die aber nicht sehr leistungsstark ist.

Vorhaben der Gruppe:     Es gibt verschiedene Ideen für die nächste Zeit. Am dringendsten ist die Erhöhung der Kapazität der einfachen Mühle. Früher wurde Korn ausschließlich in Moersern gestampft.

Mörser


Bisher produziert die Mühle ca. 70 kg/Tag Getreide- bzw. Maniokmehl.

Müller


Mit einer verbesserten Mühle könnte der gesamte Bedarf der vier Dörfer sowie einiger Nachbardörfer sichergestellt werden. Die Menschen müssten zum Mahlen nicht mehr tagtäglich den Weg nach Miti machen. Dazu könnte die eigene Mühle wesentlich billiger mahlen als die Mühlen in Miti. Langfristig könnte die Mühle für die Gruppe zu einer eigenen Einnahmequelle werden.


Empfehlung von Ushirika

In ländlichen Gegenden findet man kaum Mühlen, da dort meist keine elektrische Energie zur Verfügung steht. Durch die 4 Dörfer fließt ein Fluss mit einem Wasserfall, der wichtigsten Voraussetzungen für die Mühle. Andere Materialien für die Konstruktion sind auch vorhanden (Holz,Sand.etc.). Bisher konnte dieses Geschenk der Natur noch nicht effektiv genutzt werden. Eigene Mittel der Gruppe reichen nicht aus, um die zur besseren Nutzung nötigen Maschinen zu beschaffen.

Eine Unterstützung von außen wird die Gewohnheiten und das Verhalten der Menschen nicht durcheinanderbringen. Auch wird der Kauf der Maschinen keine negativen Auswirkungen auf zukünftige Generationen haben.

Allerdings muss solch eine Investition gut geplant und umgesetzt werden: Die Maschinen sollten von SODERZA, einer Werkstatt in Bukavu, gekauft werden. Diese produziert einfache, an die Situation vor Ort angepasste Maschinen. Soderza sollte dann auch die Gruppe in die Handhabung der Maschinen einweisen. Vor allem benötigt die Gruppe noch einen soliden Einweisungskurs zur Verwaltung der Mühle. Schließlich sollen die Einnahmen der Mühle dazu genutzt werden, andere kleine Aktivitäten für die 4 Dörfer zu finanzieren.

Ushirika empfiehlt die Unterstützung vom CDK: Die Gruppe setzt sich seit längerer Zeit für die Entwicklung der Dörfer ein, die geplante Verbesserung der Mühle reiht sich ein in die bisherigen Anstrengungen, mit Hilfe der beantragten Maschinen kann die dörfliche Region sich unabhängiger von außen machen und nicht zuletzt wird dies zu einer Stärkung des Selbstbewusstseins der Dorfbevölkerung führen. Ushirika bittet ProKivu um die Bereitstellung der erforderlichen Mittel.


Budget der Unterstützung durch Prokivu


Kauf der Maschinen: Generator300 $
Antriebsriehmen120 $
Zerkleinerer250 $
Installation der Maschinen200 $
Kurs zur Verwaltung der Mühle300 $
Beratung durch Ushirika170 $
Verwaltungskosten120 $
Gesamtbudget1.460 $


Projektbeginn

Januar 2001: ProKivu hat mit Ushirika eine Vereinbarung zur Unterstützung der Dorfgruppe von Kakundu geschlossen: Die Dorfgruppe von Kakundu bekommt die beantragten Mittel; Ushirika kümmert sich vor Ort um die Koordinierung der Unterstützung, leistet nötige finanzielle und technische Beratung, begleitet die Gruppe bei den ersten Schritten zur Einführung einer kleinen Projektverwaltung der Mühle und ist für die Berichte über die Nutzung der 1.460,00 $ verantwortlich; ein von Ushirika und der Dorfgruppe unabhängiger Entwicklungsfachmann wird die Schritte der Projektumsetzung begleiten und evaluieren.


Überweisung:

Februar 2001:  ProKivu hat am 02.02.2001 die beantragten 1.460,00 $ nach Bukavu überwiesen.


Über die Projektarbeit

1.Bericht: Februar 2001

Das CDK (Comité de développement de Kakundu) setzt sich aus Mitgliedern dreier benachbarter Dörfer von Kakundu (einem der Dörfer) zusammen. Kleine Entwicklungsaktionen hat man immer schon durchgeführt, um die Dörfer aus der "Sklaverei", der Abhängigkeit, herauszuführen.
Neben unterschiedlichen Schwierigkeiten, auch Behinderungen ihrer Arbeit, haben die Mitglieder des Komitees immer bemängelt, dass sie ihr Getreide und ihren Maniok vor Ort nicht selbst  mahlen konnten. Zum Mahlen mussten sie  von ihrem Hügel zum Kleinzentrum nach Miti herunter steigen, wo es eine elektrische Mühle gibt. Da sie in ihrer dörflichen Region einen Fluss mit Wasserfall haben und auch noch ein Mitglied in der Gruppe mitarbeitet, das früher bei Sodereza (einem Handwerkszentrum in Bukavu, welches angepasste Maschinen baut) gearbeitet hat, wollten sie endlich versuchen, eine eigene hydraulische Mühle zum Wohle der gesamten Bevölkerung aufzubauen .

Mit Hilfe von Mitgliedsbeiträgen der Komiteemitglieder wurde Kleinmaterial zur Montage einer Mühle besorgt. Die jetzt vorhandene kleine Mühle hat eine Kapazität von 70 Kg Maniok pro Tag. Dies ist aber zu wenig, wenn man die gesamte Bevölkerungszahl berücksichtigt,  die die Mühle benötigt. Dieser Mangel hat die CDK bewegt, eine Unterstützung durch Ushirika anzufragen.

Bei unserem letzten Besuch stellten wir fest, dass die Bevölkerung die Mühle nach wie vor nutzt. Der Ertrag der Mühle gemessen an ihrer Kapazität ging aber von Tag zu Tag stark zurück . Der Preis um ein Kilo Maniok zu malen betrug 4 FC/kg
(FC=Franc Congolais, das sind 0,04$). Pro Tag konnten maximal 2.8$  erwirtschaftet werden, was hinsichtlich des Mahlbetriebs und der Kosten für die Reparaturen nicht ausreicht. Im Kleinzentrum Miti liegt der Preis für das Mahlen bei 5 FC pro kg (= 0,05$). Durch die begrenzte Leistung arbeitet die Mühle für die Menschen nur unbefriedigend. Einige Einwohner der Dörfer steigen deshalb schon den Hügel hinab nach Miti, um sich hier ihr Maniok und Sorgho malen zu lassen. Dies haben Personen aus anderen Dörfern auch schon mitbekommen. Und so könnte dies auch in den umliegenden Dörfern zur Gewohnheit werden.
Die Mitglieder des Komitees möchten die Einnahmen aus dem Mahlen des eigenen Manioks oder Getreide natürlich lieber als Einkünfte in ihrer Mühle sehen, um diese dann für die Region nutzen zu können.l


Erste Auswirkungen der Mühle

Mai 2001

Die Mitglieder des Entwicklungskomitees Kakundu haben uns (den Mitarbeitern von USHIRIKA) folgendes berichtet:

"In Kakundu gibt es kein Vieh mehr, weder Ziegen noch Hühner. Die Bewohner haben die Viehzucht völlig aufgegeben. Die Armut hat Neid und Gier zur Folge gehabt. Dies ging soweit, dass, wenn eine Ziege auf dem Feld eines Nachbarn graste, dieser sich direkt beim Dorfchef beklagte. Dieser behielt dann zur Strafe die schuldige Ziege ein. Auf diese Weise sind die Leute um ihre Tiere gekommen. Wenn sich ein Huhn in die Nachbarschaft verirrte, wurde es ebenso einkassiert. Die Stallhaltung von Tieren ist für die Bevölkerung neu und müsste erst eingeführt werden. Wie man sieht, wäre eine breit angelegte Kampagne nötig, um das freie Herumlaufen der Tiere im Dorf zu unterbinden."

Die Mühle hat in Kakundu einen unerwarteten Sturm der Begeisterung bei der Bevölkerung hervorgerufen. Sie erwartet von dieser Unterstützung jetzt Verbesserungen auf allen Ebenen. So erklärte bspw. eine Frau aus dem Entwicklungskomitee: "Jetzt bin ich nicht mehr der Verachtung der Müller in Miti ausgesetzt, die uns ins Gesicht spuckten, wenn sie die Frauen aus unserer Gegend mit ihrem Getreide kommen sahen. Gar nicht zu reden von den Verwünschungen, die sie uns nachriefen." Eine Junge aus einem der umliegenden Dörfer sagte: " Jetzt muss ich nicht mehr den ganzen Tag in Miti darauf warten, dass mein Maniok gemahlen wird, um dann erst spät abends ins Dorf zurück zu kehren und mich den Angriffen der Banditen auszusetzen, die jetzt so häufig geworden sind in unseren Gegenden".

Ein alter Mann schlug uns bei unserem Besuch vor: "Hier bei uns in Muderhwa ernten wir viel Kaffee, der in den Bananenhainen angebaut wird, aber alles wird in die Nachbarländer exportiert. Kann unsere Mühle uns nicht auch dazu verhelfen, den Kaffee so aufzuarbeiten dass wir ihn selbst verbrauchen können? Wäre das nicht besser, als das lokal produzierte Bananenbier zu trinken, das so viele Familien in den Ruin treibt? Wenn wir das schaffen könnten, dann wären wir noch bekannter - denn im Moment redet man in unseren Dörfern ja nur von unserem Entwicklungskomitee."



Besuch des Projekts

Sommer 2002     

Im Sommer 2002 (Anfang Juli)  reisten zwei Vertreter von ProKivu in den Kivu, um sich ein Bild vom Fortgang der Zusammenarbeit  zu machen. Sie hatten intensive Gespräche mit Ushirika und dem Berater vor Ort. Vor allem konnten sie die Projekte besuchen und mit den Menschen der Projekten sprechen.

50 km nördlich von Bukavu, ca 1 ½ Stunden Fußmarsch von der Ortschaft Miti entfernt, liegt in den Bergen die Mühle von Kakundu. An einem stark abfallenden Gelände befindet sich eine stark sprudelnde Quelle. Schon nach wenigen Metern haben die Mitglieder der Gruppe CDK einen Wasserkanal vom Bachlauf abgezweigt, der ca. 70 m am Berg entlang zu einem gemauerten Rohreinlass führt.

Zufluss Sieb

Stöckergitter im Wasserkanal fangen Zweige und Blätter auf.


Ein erstes stählernes Fallrohr (ca. 40 cm Ø und 5 m lang) führt den steilen Abhang hinunter zu einem mit wuchtigen Feldsteinen gemauertem Speicherbecken (ca. 2 x 2 m und 1,5 m Tiefe).

Zufluss


Vom Speicherbecken führt ein 15 m langes Fallrohr mit gleichem Durchmesser fixiert durch 2 gemauerte Stützen direkt hinunter in die Mühlenturbine. 

Die Turbine wurde in Bukavu aus Altmetallteilen hergestellt. Über einen Keilriemen wird die Turbinenumdrehung auf die Mühle geleitet, die auch aus Altmetallteilen in Bukavu hergestellt wurde. Gemahlen werden Maniok, Mais, Hirse und Soja.

Turbine


Die Mitglieder sind sehr stolz auf das bisher Erreichte. Allerdings haben sie noch mit einer Reihe von Problemen zu kämpfen:
  • Der alte Wasserzulauf war aus Holz und führte offen zur Turbine. Hier gab es keine Probleme mit der Reinigung und der Zulauf konnte  leicht ausgebessert werden. Die Gruppe wollte aber eine wirklich stabile und leistungsstarke Mühle haben.
Zufluss

Mühle

  • Bei Miti lag ein 20 m Stahlrohr unbenutzt herum. So schweißte die Gruppe das lange Rohr in 5 m Teile auseinander und schleppte die vier Teile mit vereinten Kräften den Berg hoch zu ihrer Mühle. 

Rohre

  • Genau während unseres Besuchs blockierte ein Stein den Wasserzulauf in der Turbine: Man hatte noch kein Drahtgitter vor den Einlauf beim Speicherbecken gelegt.
  • So wurden wir Zeugen einer Schnellreparatur: Die gesamte Turbine musste vom Wasserrohr abgeschraubt und auseinandergenommen werden. Ein 20cm großer Stein hatte sich in dem Wasserzulaufschieber der Turbine verklemmt. Auch wurde jetzt das Drahtgitter, welches schon vorhanden war, vor den Rohreinlauf im Speicherbecken angebracht. Nach 2 Stunden war der Schaden notdürftig behoben.
  • Die Gruppe wollte uns auf jeden Fall vorführen, dass die Mühle funktionsfähig ist. So hatten sie die Verbindungen der Turbine mit dem Rohr nur teilweise zusammengefügt und auch Dichtungen zwischen Rohr und Turbine vergessen anzubringen. Beim Abzweig des Wasserkanals vom Bach hatte man zusätzlich den gesamten Wasserzulauf in den Wasserkanal geleitet, so dass viel zu viel Wasser ins Speicherbecken und dann durch das Rohr in die notdürftig zusammengebaute Turbine schoss. Der kleine Innenraum des Mühlenhauses wurde im Nu zu einer einzigen ‚Mehrdüsendusche': Aus allen undichten Stellen schoss das Wasser nur so heraus und das Schwungrad der Turbine kam auf eine beängstigend hohe Drehzahl. Der Wasserzulauf wurde umgehend gedrosselt, damit nicht noch ein Unglück passierte. Wir konnten aber sehen, dass Turbine und Mühle funktionieren.
  • Die Gruppe muss vor allem den Wasserdruck an die Mühle anpassen: Der Wasserzulauf muss auf die Trubinenbelastbarkeit und benötige Umdrehungsgeschwindigkeit der Mühle eingestellt werden.
  • Dann müssen die Verbindungen zwischen Rohr und Turbine vernünftig abgedichtet werden, damit das Mehl nicht nass wird. - Die Übertragung des Keilriemens auf die Mühle muss abgesichert werden (Unfallgefahr).
  • Auch benötigt das von der Gruppe neu gebaute Mühlenhaus einen Zementfußboden, um den Mahlvorgang vor allem während der Regenzeit möglichst sauber zu halten.
  • Wichtig ist auch, dass das Fallrohr kurz vor Eintritt in die Mühle durch eine dritte gemauerte Stütze fixiert wird.
  • Zu guter Letzt muss das Gelände oberhalb des Wasserkanals bepflanzt werden, damit der Kanal vor allem während der Regenzeit nicht laufend verschüttet wird.

Wir konnten uns aber davon überzeugen, dass die 75 Mitglieder der Gruppe CDK eine wirklich engagierte Gemeinschaft sind und durch ihre freiwilligen Leistungen schon eine Menge für ihre Dorfgemeinschaften erreicht haben. Eine Reihe weiterer Leute wollen noch Mitglied der Gruppe werden. Für die Aufnahme muss eine Person 2 ½ $ zahlen und der Beitrag pro Trimester beläuft sich auf 1 $. Jedes Trimester wird eine Vollversammlung durchgeführt, in der alle wichtigen Fragen besprochen werden.

Bemerkenswert ist auch, dass die Dorfchefs hinter dem Mühlenprojekt stehen. Bei den Ansprachen während unseres Besuchs bedankten sie sich bei ProKivu, die ihnen mit der Unterstützung die neue Mühle möglich gemacht hatte.

Bei diesen Projekt könnte es durchaus sinnvoll sein, zusätzliche Unterstützungen ins Auge zu fassen. Zunächst muss die Mühle aber gesichert und voll funktionsfähig sein.