Ziegen für Fizi Drucken
Die Gruppe

Im Januar 2001 gründeten 34 Mitglieder in Fizi, einer Region am Tanganyika-See ca. 150 km von Bukavu entfernt, den Verein ASEF (Sauvons l'Enfant de Fizi). Die Gruppe setzt sich für die Rechte der Kinder der Region ein und versucht, etwas gegen deren Fehlernährung zu tun. Vier Fachleute ländlicher Projektarbeit des Vereins (ein Landwirt, ein Techniker, ein Projektverwalter und ein Krankenpfleger) arbeiten mit 22 Gruppen zusammen. Bisher stehen ihnen 5 ha Land und 6 Ziegen zur Verfügung.


Bisher verwirklicht

Der Verein hat ein Seminar zur Enttraumatisierung vergewaltigter junger Mädchen veranstaltet. Weiter haben sie Samen und Hacken an Familien verteilt, die Waisen und Witwen aufgenommen haben. Schließlich haben sie versucht, die Nöte der Kinder der Region bei lokalen und internationalen Organisationen bekannt zu machen.


Problematik der Region


Die Region Fizi ist von Kriegswirren besonders betroffen. Im Sommer 1996 brach hier der erste Krieg aus, der im Mai 1997 zur Vertreibung Mobutus von der Macht im Zaire/Kongo führte. Die Auseinandersetzungen zwischen unterschiedlichen Gruppen waren bis vor kurzem sehr heftig, Massaker an der Bevölkerung durch die kriegsführenden Parteien keine Seltenheit: Ein Großteil der Bevölkerung flüchtete nach Tanzania, andere in benachbarte Provinzen des Landes. Diejenigen die blieben, verbrachten die meiste Zeit in Biwaks versteckt im Wald. In der Region Fizi leben die Menschen von der Landwirtschaft, vom Fischfang und von der Viehhaltung (Rinder, Schweine, Ziegen, Kleintiere). Fast alle Tiere wanderten in die Kochtöpfe der Kriegsparteien und der Fischfang kommt erst langsam wieder in Gang. Seit ca. 6 Monaten hat sich die Lage beruhigt. Die Menschen sind aus ihren Verstecken in die Dörfer zurückgekehrt, beginnen sich wieder zu organisieren. In einigen Dörfern bestehen die Familien aber größtenteils nur noch aus Witwen und Waisen. Die wirtschaftliche Struktur der Region ist stark verwüstet. Dies sind die Gründe, warum sich der Verein ASEF in diesem Projekt engagiert.


Vorhaben der Gruppe

Die Situation besonders betroffener Familien soll verbessert werden. Ziegen können dabei eine wichtige Rolle spielen: Sie sind leicht zu halten, bringen einen sicheren Gewinn und haben in der Region eine traditionell wichtige Rolle, z.b. als Brautpreis. Die Ziegenhaltung, die in den Wirren der letzten Jahre fast zum Erliegen gekommen ist, soll nun wieder aufgebaut werden. Dabei will man sich zunächst auf Familien aus Makobola und Kabondozi konzentrieren, da diese von Massakern besonders schwer betroffen wurden: Ca. 180 Witwen und Waisen wurden dort von anderen Familien aufgenommen. Diese Familien sollen Ziegen erhalten: Jede Familiengruppe soll 4 weibliche Ziegen und einen Ziegenbock bekommen. Die Familien verpflichten sich dann, vom Nachwuchs 5 Ziegen sofort an eine andere Familiengruppe zu geben (Ziegen vermehren sich rasch).. Ziegenpferche werden von den Gruppierungen selbst gebaut. Der Verein ASEF und die Gruppierungen sorgen für die Unterbringung und Versorgung während der Kurse. Auch wird der Verein die nötige Beratung der Gruppierungen sicherstellen.


Empfehlungen von Ushirika

Das rotierende System kann zu einer raschen Erholung der Ziegenhaltung führen. Die wirtschaftliche Basis vieler Familien wird damit verbessert und die durch die Wirren traumatisierten Menschen finden mit der lohnenden und traditionell integrierten Beschäftigung leichter in ein normales Leben zurück. Ushirika empfiehlt die Unterstützung und bittet ProKivu um die Bereitstellung der erforderlichen Mittel.


Budget der Unterstützung durch ProKivu
    
Kurs in das Kreditsystem 100  $
Kurs in Ziegenhaltung100  $
Kauf von ca. 50 Ziegen1000 $
Verwaltungskosten 120 $
Beratung durch Ushirika180 $
Gesamtbudget1.500 $


Überweisung

Dezember 2001: ProKivu hat am 27.12.2001 die angeforderten 1.500,00 $ nach Bukavu überwiesen.


Besuche des Projekts

Sommer 2002    

Im Sommer 2002 (Anfang Juli)  reisten zwei Vertreter von ProKivu in den Kivu, um sich ein Bild vom Fortgang der Zusammenarbeit  zu machen. Sie hatten intensive Gespräche mit Ushirika und dem Berater vor Ort. Das Ziegenprojekt konnten sie vor Ort leider nicht besuchen. Die Gegend ist immer noch problematisch und man kann dort nur sehr umständlich reisen. Die beiden wichtigsten Vertreter von ASEF, der Gruppe des Ziegenprojekts, waren aber extra nach Bukavu gekommen.

Das Projekt arbeitet in einer Region des Tanganyika-Sees, entlang einer ca. 90 km langen Uferregion von Uvira bis Baraka. Man beschränkt sich auf die Uferregion, da das Hinterland noch zu unsicher ist. Im Laufe des Krieges sind alle Ziegen gestohlen worden. Die Bewohner der Region, die über den See nach Tansania geflohen waren, kommen jetzt nach und nach zurück.

Die Gruppe kümmert sich vor allem um Familien, deren Eltern im Krieg getötet wurden und wo das älteste Kind, manchmal erst 15 Jahre alt, jetzt die Rolle des Familienoberhauptes für die Geschwister übernommen hat.



Auch arbeitet die Gruppe mit Familien, die Waisenkinder aufgenommen haben. 181 Familien haben am Projekt schon Interesse angemeldet. An 40 Familien konnte schon jeweils 1 Ziege verteilt werden. Die Ziegen wurden in Uvira gekauft und per Boot zu den Küstenorten der Familien gebracht.



Die Straßen dieser Region sind noch unpassierbar, so dass die Dörfer nur zu Fuß oder mit dem Boot erreichen werden können.
Zunächst werden die Familien über Ziegenhaltung und das System des "rotierendes Kredits" informiert. Der Kredit verlangt, dass ein Junges an die Gruppe zurückgegeben werden muss, sobald sie Junge bekommt. Damit wird sich der Kreis des begünstigten Familien nach und nach ausgeweitet. Von den 181 interessierten Familien haben diejenigen eine Ziege bekommen, die Mitglied von ASEF geworden sind und am meisten unter dem Krieg gelitten haben.
       


Im Juli wird ein Fachmann im Auftrag von Ushirika von Bukavu in die Region geschickt, um sich ein Bild von den konkreten Realisierungen und aufgetretenen Fragen zu machen. Ziegen spielen bei den Menschen dieser Region traditionell eine wichtige Rolle. Mit der Wiedereinführung von Ziegen erhofft man sich ein Zusammenwachsen der örtlichen Gruppen. Ohne Ziegen kann man nicht heiraten, sie gewährleisten eine Verbesserung der Nahrung, mit den Verkaufserlösen kann Schulgeld und medizinische Versorgung bezahlt werden. Ziegen sind einfach zu halten, kaum anfällig für Krankheiten und benötigen kein ausgeklügeltes Management. In der Region sind Ziegen eine Art "kleiner Reichtum".

Eine Missionarin aus Bukavu, die jahrelang in der Region des Ziegenprojekts am Tanganyika-See gearbeitet hat, die die lokale Sprache spricht und viele Personen dort persönlich kennt, hatten wir als neutrale Beraterin in das Projekt eingebunden. Mit ihr sprachen wir über die Verwirklichungen im Projekt. Einer ihrer langjähriger Bekannter ist Vizepräsident von ASEF. Für ihn legt sie die Hände ins Feuer. Sie wird sich weiter um das Projekt kümmern und mit dafür Sorge tragen, dass die Projektziele auch wirklich so verwirklicht werden, wie bei der Unterstützung angefragt.

Sicher ist es ein Risiko, ein Projekt in einer Region zu unterstützen, welches man nicht regelmäßig aufsuchen und betreuen kann. Wir haben es trotzdem gewagt in der Hoffnung, etwas für die Menschen dieser Region zu versuchen. Vielleicht kann es ihnen wieder ein wenig Halt geben. Allerdings wäre uns das Risiko ohne eine Einbindung der Missionarin zu groß gewesen.