Das Leben in der Schule Drucken
Normalerweise beginnen die Kinder ab einem Alter von 5 Jahren das Schulleben in der "Ecole Maternelle" (Vorschule). Aber viele Kinder treten erst direkt in die erste Klasse der Grundschule ein, um das Schulgeld für die Maternelle zu ersparen. In der Regel sind es die Eltern, die das Schulgeld zu tragen haben. Der Staat greift fast gar nicht fördernd ein.

In der Stadt gibt es schöne Schulen, die in der Kolonialzeit von den Belgiern errichtet wurden. Diese Schulen sind nicht für alle Schüler zugänglich. Es sind die Kinder der Händler, Politiker, der Mittelschicht und der Studierten. Das Schulgeld beläuft sich auf ungefähr 5 - 20 $ pro Monat in Abhängigkeit der jeweiligen Schule, deren Gemäuer aus Brettern, landläufig als "Holzmauern" (murs en bois) bezeichnet. Die Kinder sind in soziale Kategorien eingeteilt:

Zur Kategorie A gehören die Kinder der Reichen, die 20 $ im Monat bezahlen, der Kategorie B gehören die Kinder aus der Mittelschicht an, die 12 $ im Monat bezahlen. Zur Kategorie C gehören Jungen und Mädchen von Lehrern und Angehörigen der öffentlichen Verwaltung, diese bezahlen 7 $ im Monat. Zur Kategorie D werden die Waisenkinder und Armen gerechnet, die 5 $ im Monat zu bezahlen haben.

Diese Kategorisierung basiert auf Fragebögen, die bei Eintritt des Kindes in die Schule ausgefüllt werden. Man kann leicht verstehen, dass die Anzahl der Kinder aus der Kategorie A und B im Interesse der Schulen hoch ist, damit sie genug Schulgeld einnehmen.

Die Schulen mit den "Holzmauern" sind von allen sehr hoch frequentiert. Hier variieren die Schulgelder zwischen 0,5 $ und 2 $ pro Schüler im Monat. Diese geringen Schulgelder, die die Eltern bezahlen müssen, sind aber von Eltern, die Eltern fast keine finanziellen Mittel zur Verfügung haben, nur sehr schwer zu bekommen. Z. B. erhalten staatliche Beamten maximal 2 $ im Monat in unregelmäßiger Art und Weise, so dass sie faktisch arbeitslos ohne Tätigkeit sind. Die Frauen betreiben einen kleinen Handel auf dem Markt, um zur Ernährung der Familie beizutragen. Unglücklicherweise ist die durchschnittliche Zahl an Kindern pro Familie, die in der Schulausbildung sind, bei ungefähr 5, ohne die weiteren 2 Kinder mitzurechnen, die noch nicht im schulfähigen Alter sind. Die Kinder reicher Eltern sind auf speziellen Privatschulen, die extrem teuer sind. Mit einem ähnlichen Schulprogramm wie in Europa kosten diese 50 $ pro Monat an Schulgeld.

Das führt dazu, dass viele Kinder in der Stadt dazu gezwungen sind, mit unvollständigen Heften ohne Schultasche zur Schule zu gehen. Man tut die Hefte in eine Plastiktüte, die auch als Verpackung in den Geschäften genutzt wird. Die Kinder gehen ohne Schuhe oder mit zerrissenen Pantoffeln zur Schule, ohne Hoffnung auf ein Essen nach der Schule, da man nur eine Mahlzeit pro Tag einnimmt. Es gibt sogar Ohnmachtsanfälle bei den Kindern und auch Mangelernährung bei den Lehrern. Kurz gesagt, die Schulpflicht aller Kinder wird auf dem Rücken der Eltern ausgetragen. In den Klassen sitzen 2-3 Kinder an einem Pult. Das Pult besteht aus einem Holzbrett, das auf zwei Pflöcken, die in die Erde gerammt sind, in 50 cm Höhe aufliegt.

In den Dörfern sucht man bei den Jungen die Intelligentesten heraus. Diese dürfen dann zur Schule gehen. Die Mädchen müssen bei der Kinderbetreuung mithelfen und Hausarbeiten erledigen. In Dörfern nahe von Städten müssen die weniger intelligenten Jungen morgens in die Stadt gehen und beim Verladen von Waren helfen oder müssen betteln, um zur Versorgung der Familie beizutragen. In den Dörfern weitab von Städten ist die Situation weitaus schlimmer, da dort alle Produkte extrem teuer sind. Die Schulen haben hier nur ein Strohdach und Schulmaterial gibt es praktisch nicht. Die Zahlung des Schulgelds wird zum Teil in Naturalien gemacht (landwirtschaftliche Produkte).

Der Mangel an Betreuung der Kinder führt zu Jugendkriminalität und dazu, dass die Kinder auf der Strasse herumlungern, da sie vielfach die Schulen verlassen. Es gibt eine hohe Anzahl von schlecht- und unterernährten Kindern, die Analphabetenrate ist sehr hoch. Durch fehlenden Schulunterricht verlassen viele Jugendliche im Schulalter die Alphabetisierungseinrichtungen und treiben sich herum. Mit Hilfe ihrer Eltern und ältern Geschwister versuchen sie die fehlenden Kenntnisse wieder aufzuholen, was ihnen aber absolut nicht gelingt. Trotz der großen Anstrengungen der Eltern gerät der Schulplan mehr und mehr durcheinander. Die staatlichen Prüfungen finden zu ständig wechselnden Terminen statt, die Ergebnisse bleiben lange Zeit unbekannt, so dass die Jugendlichen bereits auf der Universität studieren, ohne zu wissen, ob sie ihren Schulabschluss überhaupt bestanden haben. Viel Jugendliche irren nach ihren staatlichen Prüfungen ziellos auf der Straße umher, da es keine Infrastruktur zum Auffangen der Schulabgänger gibt. Auch die Abgänger aus Universitäten haben es schwer. Es gibt eine hohe Jugendarbeitslosigkeit unter den Jugendlichen.