Leben in Bergbaugebieten Drucken
Seit mehr als 10 Jahren gibt es in den Goldabbaugebieten seltsame Zustände, die Frauen und jungen Mädchen zur Prostitution zwingen.

In Kamituga, Lugushwa und allen Dörfern, in denen nach Gold gegraben wird, sind fast alle Männer und Frauen im Alter zwischen 10 und 40 Jahren im Bergbau tätig. Die Erze werden ohne gesetzliche Regelung abgebaut. Besonders schlimm wirkt sich dabei aus, dass jeder kleine Landbesitzer sich als Herr und Besitzer aller Dinge, die sich von diesem Flecken herleiten lassen, empfindet. So bedarf selbst das Betreten dieses Landstückes seiner ausdrücklichen Zustimmung.

Augenblicklich entwickelt sich in den Abbaugebieten von Mwenga eine neue Arbeitsweise und Lebensweise. Arbeiter (Männer und Frauen) werden rekrutiert und jeder muss zusehen, wie er sich mit seiner Gruppe dort installiert, sich Hütten baut, in welchen meist sehr schlechte hygienische Bedingungen herrschen.

Jeder Mann sucht sich dort meist eine Frau, mit welcher er während der Durchführung des Vertrages zusammenlebt. Beide sind natürlich weiter mit ihrem eigentlichen Ehepartner verheiratet. Die Männer graben nach dem Gold, müssen große Steinbrocken aus den Minen raushauen, während die Frauen diese dann in Metallmörsern zerkleinern und zermahlen. Mit dieser Methode wird das Gold leichter von übrigen Mineralien getrennt und man ermöglicht gleichzeitig die Gewinnung anderer nützlicher Erze. Die Frauen werden entsprechend der Art der Arbeit, die sie verrichten, "twangeuse" genannt. Dies kommt vom Suaheliwort "kutwanga" und bedeutet "zerstoßen".

Diese von der Arbeit bestimmte Lebensweise führt zu einer starken Verbreitung von Geschlechtskrankheiten (AIDS, Maladie Sexuellement Transmissible), von anderen ansteckenden Infektionen wie Tuberkulose und von Parasiten. Jede Person, die von dort zurück kommt, wird verdächtigt, von irgendwelchen Krankheiten angesteckt zu sein. Seit 1990 ist in diesen Gegenden kein Gesundheitsdienst mehr aufgetaucht, um die Menschen in allgemeinen Gesundheitsfragen und besonders in Vorbeugemaßnahmen gegen Aids zu beraten. Geschlechtskrankheiten sind so in der Region von Mwenga und der Erzabbaugegend zu einer Geißel geworden.

Die Lage verschlimmert sich laufend, da bis heute nichts unternommen wird, um die rasche Ausbreitung der Krankheiten zu verhindern. Zwischenzeitlich ist das Leben vieler Menschen in Gefahr. Das geht soweit, dass ganze Ortschaften verschwinden könnten. In diesen Steinbrüchen leben die Menschen in vollkommener Unwissenheit, haben als einzigen Bezug ihre Arbeit und den Lohn ihrer Arbeit. Sie glauben oft an Hexerei, Fetischismus oder folgen anderen aus dem besonderem Umfeld entsprungenen Anschauungen, die besagen, dass alles aus der Erde stammende übernatürliche Kräfte besitzt.