Unsicherheit in der Umgebung Bukavus Drucken
:Die Situation in ländlichen Regionen um Bukavu ist durch die Kriegswirren von Unsicherheit geprägt. Viele Menschen verbringen die Nacht nicht mehr in ihren Häusern. Manchmal verbergen sie sich sogar tagelang in ihren Bananenhainen oder im Wald. Sie haben Angst, dass Banditen kommen und sie in ihren Häusern umbringen. Die Frauen und Töchter lässt man oft am Leben, denn sie sind Zielscheibe von Vergewaltigungen. Die Männer dagegen bringt man meist sofort um, wenn sie das geforderte Geld nicht haben.

Bukavu selbst ist bisher ziemlich ruhig geblieben. Manchmal aber trifft es selbst die Vororte. Am 4. September 2002 haben während der Nacht bewaffnete Banden Baghira (ein Vorort von Bukavu) überfallen. Lebensmittel, Haushaltsgegenstände, Schulmaterial der Kinder, Kleidungsstücke, Radios, Fernsehgeräte und Kleinvieh haben sie mitgenommen. 5 Frauen wurden an einen unbekannten Ort verschleppt. Einige Tage kamen drei Tage später zurück und erzählten schreckliche Geschichten. Sie waren grausam vergewaltigt worden und mussten zur Behandlung in ein Krankenhaus eingewiesen werden.

Ein Bauer aus Mwenga erzählt:

"In meiner Heimatregion hat sich viel geändert. In meinem Dorf, in Kazuzu, ist das Leben im Moment äußerst schwierig geworden. Täglich muss man damit rechnen, überfallen zu werden - und zwar von den verschiedensten Banden, die sich im Wald von Mwenga aufhalten: Mal sind es die Mai Mai, mal die Interahamwe, dann auch die Rwandische Armee, auch die Kongolesische Armee. Jede dieser Banden kontrolliert ein bestimmtes Gebiet, die aber nicht sehr weit auseinanderliegen. In seinem Bereich macht jeder was er will. Es gibt keine Ordnungsmacht mehr, die solche Willkür unterbinden könnte.

Nachts kommen die Banden in die Dörfer und überfallen die Bevölkerung. Um dem zu entgehen, verlassen die Dorfbewohner ihre Häuser und ziehen sich in provisorische Hütten, die sie in ihren Feldern haben, zurück. Außer einer Decke können sie meist nicht viel mitnehmen. Es kann sein, dass man sich bis zu 2 Wochen versteckt halten muss. Wenn man danach ins Dorf zurück kommt, ist nichts mehr da: Kein Huhn, keine Ente, die Einrichtung des Hauses - alles geplündert. Am liebsten würden alle Dorfbewohner nach Bukavu, in die Stadt ziehen. Dort ist es sicher. Wir haben aber nicht das Geld, um in der Stadt zu leben, denn normalerweise leben wir ja von unseren selbst angebauten Feldfrüchten.

Was uns Menschen auf den Dörfern im Moment besonders fehlt ist: Salz, Petroleum, Seife... Alles ist extrem teuer geworden. Durch den Krieg ist es sehr schwierig geworden, Waren in unsere Gegend zu transportieren. Und zusätzlich versuchen unsere Kaufleute auch noch von der Unordnung zu profitieren".