Die Geldwechsler Drucken
Hat man kongolesische Franc (FC) und sucht Devisen -hauptsächlich geht es um Dollar- geht man zu einem Geldwechsler. Natürlich funktioniert dies auch umgekehrt. Für 1$ zahlt man im Moment auf dem Markt in Kadutu 250 FC; die Wechsler haben ihre $ für 240 FC eingekauft und verdienen so pro Dollar 10 FC.

Einige große Gesellschaften vor Ort -REGIDESO (Wasserwerk), SNEL (Elektrizitätswerk) , BRALIMA (Brauerei)...- liefern auch kongolesische Franc an die Wechsler, um in den Besitz von Dollar zu kommen oder umgekehrt.

Seitdem das Land in Ost und West geteilt ist, hat der Geldhandel andere Formen angenommen. So kostet in Kinshasa ein Dollar 320 FC, während er in Bukavu für 250 verkauft wird. Man versteht, warum sich die Geldhändler die Chance nicht entgehen lassen, die sich hier bietet. Da gibt es Frauen, die fliegen nach Nigeria, kaufen dort die FC aus Kinshasa ein und bringen sie deklariert als "Altkleidercontainer" nach Bukavu. Im Klartext verlassen Leute, die etwas von der Sache verstehen, Kinshasa mit den FC und liefern sie an Händler aus Bukavu. Man glaubt, dass in diesem Netz selbst Falschgeld hergestellt wird, denn sehr oft bekommt man neue 20 FC Scheine in die Hand.

Dieses Geschäft hat nicht wenigen Personen Arbeit verschafft. Einige leben allein vom Unterschied zwischen der Umtauschrate in der Innenstadt und der des großen Marktes von Kadutu , wo sich die für die Stadt wichtigen Geschäfte abspielen. Auch die Verwaltung findet hierdurch eine neue Möglichkeit, Steuern zu erheben: Um als Geldwechslers zugelassen zu werden und die offizielle Plakette zu erhalten, muss man 50 $ bezahlen! Die Wechsler wieder organisieren sich auf bestimmten Achsen oder nach Stadtteilen, immer dort, wo es Menschenansammlungen gibt, vor allem an Plätzen, wo sich auswärtige Besucher leicht mit FC versorgen können. Auf jeder Achse gibt es ein Komitee, welches die Modalitäten der Aufnahme neuer Geldwechsler festlegt. Um aufgenommen zu werden, müssen diese dann 20 $ bezahlen.

Mit der Ankunft der ruandesischen Flüchtlinge im Jahr 1994 begann dieses Geschäft im großen Stil. Einige Ruander kamen mit ungeheuren Devisenmengen in Bukavu an. Für ihren Lebensunterhalt mussten sie diese umtauschen, da die Unterstützung durch die Hilfsorganisationen erst einige Zeit später einsetzte. Bis dahin war es offiziell verboten, Geldhandel zu betreiben. Natürlich gab es auch früher schon Geldhandel, und man kennt auch einige Libanesen, die zusammen mit Angestellten der Zentralbank in diesem Geschäft ihren Profit suchten. Einige wurden gefasst, schmachteten eine Zeitlang in den Gefängnissen und kauften sich schließlich mit kolossale Summen frei.