Die Strom- und Wasserversorgung Drucken

Die Regideso ist in Bukavu für die Versorgung mit Wasser und die SNEL für die Versorgung mit Strom zuständig. Damit man an die öffentliche Wasser- oder Stromversorgung angeschlossen wird, muss man zu aller erst eine Gebühr in Höhe von 20$ zahlen. Dann überhaupt erst erscheint ein Mitarbeiter, um sich ein Bild vor Ort zu machen und die nötigen Messungen für die zu verlegenden Anschlüsse vorzunehmen. Er wird dann einen Kostenvoranschlag erstellen, den der zukünftige Besitzer eines Anschlusses im voraus zahlen muss. Die Höhe eines solchen Kostenvoranschlags beläuft sich auf mindestens 180$ inklusive des Materials wie Rohre, Kabel usw. Weitaus schwieriger ist es jedoch, die notwendige Besitzurkunde für das entsprechende Grundstück vorzuweisen. Diese Urkunde erhält man nur auf dem Grundbuchamt und die dortigen Beamte lassen sich diese Arbeit auch gut bezahlen. Die meisten Leute kaufen deshalb ihre Grundstücke ohne den Kauf im Grundbuch eintragen zu lassen. Um dennoch eine Urkunde bei Regideso oder SNEL vorzeigen zu können, besorgen sie sich eine von jemandem, der sie schon hat, und ändern die Angaben dementsprechend. Auf diese Weise hat man dann alle nötigen Voraussetzungen erfüllt, um einen Anschluss gelegt zu bekommen.

Diejenigen jedoch, die nur wenig Geld haben, arrangieren sich mit einem Nachbarn, der einen Anschluss hat. Am Ende des Monats wir dann die Rechnung durch die Anzahl der Personen geteilt, die sich den Wasser- oder Stromanschluss teilen. Im Volksmund nennt man diese Leute ironisch "die Starken". Es kommt jedoch auch vor, dass der Wasserhahnbesitzer nichts zahlt und "die Starken", das können bis zu sechs Familien sein, die gesamte Rechnung übernehmen.

Man kann sich leicht vorstellen, dass das Ganze nicht ohne Reibereien abläuft. Die Chefs der entsprechenden Stadtteile in Bukavu, Goma und Uvira, wo die Leute sich auf diese Weise mit Strom und Wasser versorgen, müssen immer wieder Streitereien schlichten. Oft genug ist das Verhalten der Besitzer der Anschlüsse der Grund für die Streitigkeiten. Entweder sie zeigen den Mitbenutzern ihres Anschlusses nicht die Originalrechnungen oder sie versuchen andere "Kunden" zu gewinnen, indem sie behaupten niedrigere Preise bei SNEL oder Regideso zu zahlen. In einigen Stadtvierteln wir das Wasser für 10 - 15 FC pro 20-Liter- Kanister für Bargeld verkauft (1 $ entsprach 240 FC). Am Fuß der Täler sind oft öffentliche Wasserstellen, die von Regideso installiert wurden, um den Ärmsten zu helfen. Hier hält der Chef des Viertels den Wasserhahn und den Platz für einen symbolischen Preis von 0,5 $ pro Monat und Nutzer sauber. Es gibt auch Wasserstellen, die von Nicht-Regierungs-Organisationen und den Kirchen eingerichtet wurden. Die Benutzung ist normalerweise gratis bis auf die gemeinschaftlichen Reinigungsarbeiten einmal in der Woche.

Bezüglich der Elektrizität muss man für Bukavu-Stadt noch eine Besonderheit erwähnen. Hier zahlt man die üblichen 20$ für die Registrierung beim E-Werk SNEL und die Grundgebühr von 120$ für drei Monate. Dazu kommt noch das Kabel und das andere Material. Die Mitarbeiter von SNEL machen den Anschluss dann ohne auf eine Besitzurkunde für das Grundstück zu bestehen. So unkompliziert ist leider nur SNEL.

Trotzdem ist die meist bitter arme Bevölkerung darauf angewiesen den Strom zu klauen. Das Wort "dahulage" aus der Sprache des Stammes der Mashi umschreibt diesen Diebstahl ganz treffend als "das Feuer beim Nachbarn holen". Diese improvisierten Leitungen beeinträchtigen allerdings allzu oft die gesamte Stromversorgung in Bukavu. Als Masten benützten die Leute alte Autochassis und die Kabel sind meistens nicht isoliert. So werden kleine Viertel an die zentrale Versorgung angeschlossen und von ein paar Verantwortlichen instand gehalten. Die Haushalte müssen sich dann nur noch im Schutz der Dunkelheit ihr eigenes Kabel anklemmen. Damit wird vor allem an Petroleum und Holzkohle gespart, weil das Kochen der Hauptnahrung ‚Bohnen' Stunden dauert. In einem Viertel sind vermutlich nur 5% der Stromverbraucher offiziell bei SNEL registriert. So passiert es regelmäßig, dass bei starkem Regen und Wind die Leitungen reißen und Menschen einen elektrischen Schlag bekommen.

Oft versuchen sich unerfahrene Elektriker für ein paar Dollar an den Installationen der SNEL und versorgen ihre Privatkunden mit Strom während der unangenehmen Stromausfälle. Da die SNEL nicht wissen kann, ob und wo jemand, der zudem nicht zu ihren Angestellten gehört, an ihren Installationen arbeitet, dann oft ganz unerwartet wieder Strom geliefert wird, kommt es vor, dass diese Elektriker verletzt werden.

Beklagenswert ist der Zustand der Maschinen beim Staudamm, die den Strom liefern sollen. Sie stammen noch aus der Kolonialzeit und wurden bis heute weder ersetzt noch überholt. Deshalb konnte es auch vor circa einem Jahr passieren, dass ein junger Mann, obwohl er schon vier Jahre diese Arbeit gemacht hatte, durch einen elektrischen Schlag getötet wurde. Beim Hineindrücken der Sicherung hat er einen Schlag von 15.000 Volt bekommen und war auf der Stelle tot. Angeblich war es das erste Mal, dass an der Stelle ein solcher Unfall passiert ist.

In den Dörfern im Kivu gibt es keine Installationen von Regideso bis auf einige wenige wichtige Orte wie Kamituga (125km von Bukavu). Meistens versorgen sich die Leute mit Wasser an Flüssen, Quellen oder kleinen Staubecken. Das Wasser der Flüsse und Quellen, das niemals untersucht wurde, stellt eine ständige gesundheitliche Bedrohung für die Bevölkerung dar. Vor allem Cholera, Durchfall und Würmer breiten sich auf diese Weise aus.

Für die SNEL gilt das gleiche. Die Stromleitungen reichen nur bis zu bestimmten wichtigen Handelsplätzen. Außerhalb herrscht völlige Dunkelheit. Ab und zu hört man nur die Generatoren der Händler, Missionare und Krankenhäuser. In den Dörfern in der Nähe von Bukavu wie zum Beispiel Kabare, Katana oder Kavumu wird deshalb Strom illegal abgezapft. Selbst in der kleinsten Hütte gibt es eine brennende Glühbirne. Man sollte nur nicht die Drähte berühren: Sonst riskiert man einen elektrischen Schlag, der tödlich enden könnte.