Auf dem Markt Drucken
Ein Arbeitstag einer Marktfrau auf dem zentralen Markt in Bukavu


Wir haben uns einer Marktfrau auf dem Markt in Bukavu angeschlossen. Sie hat uns anvertraut, was sie täglich durchmacht, um ihre Familie einen weiteren Tag lang durchzubringen.

Es ist "Machozi", eine Zwischenhändlerin für Palmöl. Ihr Name bedeutet  auf deutsch "Tränen". Dieser Name wird im allgemeinen Mädchen gegeben, die während einer für die  Gesellschaft schwierigen Situation oder während einer Zeit der Trauer um ein verstorbenes, liebes Familienmitglied geboren werden, obwohl natürlich alle teuer sind. Unser Ziel ist, herauszufinden, wie es diese Frau schafft, ihren Haushalt in dieser wirtschaftlich sehr heiklen Zeit aufrecht zu erhalten.

Sie erzählt uns folgendes:

"Ich habe kein festes Kapital zu meiner eigenen Verfügung. Jede Woche gehe ich zur Haltestelle der Fahrzeuge aus Bunyakiri. Dort treffe ich die Großhändler, die mir eine Anzahl Kanister mit Palmöl geben, vielleicht 20 oder 25 Stück mit je 20 Liter Inhalt. Jeder Kanister kostet 14.5 US$. Ich muss ihn wiederum für 15 US$ verkaufen, um 0.5 US$ pro Kanister Gewinn zu machen. Das ist  für das Überleben meiner Familie. Damit das Öl nicht schlecht wird, muss ich auch an Einzelhändlerinnen verkaufen. Die verkaufen es ihrerseits flaschenweise weiter zu einem Preis, den ich nicht kenne. Sie machen auf jeden Fall auch ihren Gewinn. Innerhalb von vier oder fünf Tagen müssen sie mich bezahlt haben. Wenn ich das Geld eingesammelt habe, bezahle ich den Lieferanten, was ich ihnen schuldig bin. Das ganze dauert maximal eine Woche".   

Wie teilen Sie den Gewinn für Ihre Zwecke auf?

"Sehr oft gebe ich 10 US$ für Nahrungsmittel für meine Familie aus. Den Rest brauche ich für medizinische Versorgung, wenn jemand krank ist, und für die Monatsrate für die Lehrer meiner Kinder. Glücklicherweise bin ich nicht Mieterin, sonst würde es kompliziert. Bei dem Coltan-Handel heute ist es wirklich sehr schwer, ein Häuschen zu einem vernünftigen Preis zu mieten.
Mit dieser Aufteilung ist es mir nicht möglich, auch nur einen kleinen Betrag für eine größere Anschaffung zu sparen oder das Haus zu verschönern. Noch weniger gelingt es mir, genug beiseite zu legen für eine Reise und einen Besuch bei meinen Verwandten im Heimatdorf".

Und was macht Ihr Ehemann während Sie auf dem Markt sind?

"Mein Mann hat keine Anstellung und verbringt den Tag zusammen mit anderen Arbeitslosen in unserem Viertel. Sie stellen politische Analysen an über die Entwicklung des Krieges in unserem Land. Dann hören sie die Nachrichten der ausländischen Sender: BBC, Voice of America, Radio Deutsche Welle, RFI....um zu hören, ob sie mit ihren Diskussionen richtig liegen. Am Abend geht er in die Kirche, wo er ein Amt übernommen hat. Bei dieser Gelegenheit bittet er gleich den Allerhöchsten, dass unser Land und speziell unsere Familie aus dieser chaotischen herausfindet".

Lohnt sich denn ihre Tätigkeit auf dem Markt?

"Nein. Von Zeit zu Zeit kann ich meinem Geschäft nicht nachgehen. Oft ist nämlich die Straße Bunyakiri-Bukavu unpassierbar, da es immer wieder zu Kampfhandlungen zwischen  der Rebellenarmee und ihren Verbündeten auf der einen und bewaffneten Banden auf der anderen Seite kommt. Im Augenblick muss meine Familie kümmerlich dahinleben, denn ich bin ihre einzige Hoffnung".

Letzte Frage: Gibt es andere Familien, die so leben wie Sie?

"Oh, sehr viele, es gibt eine große Anzahl! Im Übrigen haben etwa die Hälfte der Frauen hier auf dem Markt kein eigenes Kapital. Alle leben davon, dass sie das Zwischenglied bilden zwischen den Großhändlern und den Verbrauchern".