Eine starke Frau erzählt ihre Geschichte Drucken
"Ich bin eine geschiedene Frau. Ich bin ungefähr 26 Jahre alt und habe eine 5-jährige Tochter. Als ich 21 Jahre alt war habe ich mich offiziell verheiratet. Damals hatte ich bereits eine Arbeitsstelle bei der Stadtverwaltung. 2 Monate nach meiner Heirat war ich bereits schwanger. Mein Mann, der eine Arbeitsstelle bei einer internationalen Hilfsorganisation hatte, fing an, sich andere Frauen zu suchen. All meine Versuche, ihn wieder zurück zu holen, blieben erfolglos.

Mein Kind bekam ich zu Hause in Anwesenheit einer alten Frau, die sich mit Geburten auskannte. Ich konnte es mir nicht leisten, in ein Krankenhaus zu gehen, da mich mein Mann nicht unterstützte (eine Geburt im Krankenhaus kostet 10-15 $.).

Zwei Monate später verließ mein Mann mich vollständig und zog mit einer anderen Frau zusammen. Ich blieb mit meinem Baby allein zurück. Am Ende des Monats kam mein Vermieter, um die Miete für die Wohnung einzutreiben. Da ich kein Geld hatte, wurde ich auf die Straße gesetzt. Ich versuchte bei meiner großen Schwester, die auch verheiratet ist, unterzukommen. Das klappte auch und ich arbeitete wieder bei meiner alten Arbeitsstelle. Gleichzeitig klagte ich gegen meinen Mann. Ich wollte eine finanzielle Unterstützung für meinen Lebensunterhalt und den meines Kindes. Mit Hilfe undurchsichtiger Methoden hat aber mein Mann den Prozess gewonnen. Mein Kind hat man mir weggenommen. Es wird jetzt von der Mutter meines Mannes versorgt.

Bei meiner Schwester konnte ich nun auch nicht mehr wohnen bleiben. Ich war zu einer zu großen Belastung für die Familie geworden. Ich habe mich dann mit meiner Mutter, die wegen Unruhen aus Mwenga geflüchtet war, in einem kleinen Holzhaus niedergelassen. Das Haus dient eigentlich zur Aufbewahrung von Werkzeugen für eine Baustelle. Hier muss ich monatlich 5 $ Miete bezahlen, was genau so viel ist, wie ich monatlich bei der Stadt bekomme.

Um irgendwie zu überleben, habe ich mich mit vier Freundinnen zusammen getan. Wir haben einen Ballen second-hand-Kleider gekauft. Jeder hat 20$ beigesteuert. Meine 20$ konnte ich durch den Verkauf von Palmöl, das meine Mutter aus Mwenga mitgebracht hatte, aufbringen. Die Altkleider teilen wir auf und verkaufen sie auf den Straßen von Bukavu. Normalerweise verkaufe ich nach der Arbeit ab 14.00 h bis zum Abend. Nach zwei Wochen muss jede von uns mindestens 21 $ zurückbringen: Bevor wir an unsere eigenen Bedürfnisse denken, müssen wir sicherstellen, dass wir wieder einen neuen Ballen kaufen können. Den 1$ mehr von jeder legen wir als Reserve zurück, was 10 $ im Monat ausmacht. Die Reserve ist nötig, da die Preise der Ballen sich laufend ändern.

Danach bleibt mir nicht viel für meinen Bedarf übrig. Normalerweise komme ich pro Tag mit insgesamt 130 FC, dies ist ½ $, aus:

1Teller Manioc = 35 FC kleine Fische = 30 FC Palmöl = 10 FC Salz, Zwiebeln, Tomaten oder Erdnüsse = 20 FC Holzkohle = 20 FC Petroleum = 15 FC

Allerdings ist nicht immer sicher, dass ich über die 21$ für unsere Gruppe noch Geld für die Nahrung verdienen kann. Die Qualität der Altkleider ist oft so schlecht, dass es gerade für die 21$ für den Neukauf von Altkleidern reicht".