Jugendliche als Opfer der Rebellion Drucken

Viele Familien leben in großer finanzieller Not. Dies hat katastrophale Auswirkungen auf die Schulbildung und die Betreuung der Kinder.


Die Jungen gleiten zunehmend ab. Häufig enden sie als Straßenkinder. Man nennt sie "Phaseurs": Sie rauchen Haschisch, stehlen und machen Überfälle. Andere Jungen beginnen schon im Alter von 14 - 17 Jahren in den Erzminen zu arbeiten. Auf der Suche nach dem schnellen Geld entziehen sie sich der Kontrolle ihrer Eltern, sind auf der Flucht vor allen möglichen Schikanen. Man findet aber auch Jungen, die sich nicht so leicht aus der Bahn werfen lassen. Diese engagieren sich oft in der Armee mit all den Konsequenzen, die dies in ihrer Zukunft haben wird.

Die Jugendlichen sind heute die Opfer der unruhigen Zeit, der Rebellion: Den realen Gegebenheiten stehen noch zu unkritisch gegenüber, können noch nicht rational urteilen und handeln. Einige haben schon die Lust am Leben verloren. Grund dafür ist manchmal der frühe Tod ihrer Eltern, Rückschläge in der Familie, mangelnde Toleranz von Eltern gegenüber den jugendlichen Verhaltensweisen sowie ein Scheitern in der Schule.

Es gibt aber auch eine Jungen, die eine richtige Arbeit beginnen. Zum Teil sind diese Arbeiten körperlich sehr schwer und anstrengend. Beispielsweise arbeiten sie auf Baustellen und werden dort schnell zu richtigen Arbeitern, obwohl ein Jugendschutzgesetz dies ausdrücklich verbietet.

Wieder andere schlagen sich als Verkäufer von Backwaren, Erdnüssen, Bananen oder Orangen an den Plätzen der Innenstadt durch.

Buk Kiosk

 Diese Jugendlichen wohnen meist bei fremden Familien in der Stadt, denen sie ihre Verkaufserlöse abliefern müssen. Die Familien nutzen ihre Arbeitskraft voll aus. Als Entschädigung für ihre tägliche Arbeit erhalten sie lediglich einen Schlafplatz und etwas zu essen.

Manchmal fällt auch am Monatsende etwas Geld ab, oder sie bekommen alte abgetragene Kleidung von Familienmitgliedern. Am Ende eines Monats dürfen die Kinder ihre eigene Familie besuchen, die am Stadtrand oder in den umliegenden Dörfern von Bukavu oder Uvira wohnen.

Die Jungendlichen, die es geschafft haben, einen Job in einem Bistro oder in einer Nachtbar zu ergattern, sind am besten dran: Sie werden oft von ihrem Chef gut bezahlt. Für eine aufmerksame Bedienung geben Gäste auch einmal ein wenig Trinkgeld. Um die horrenden Kosten des Studiums an einer der Hochschulen von Bukavu oder Uvira finanzieren zu können, arbeiten viele Studenten als Barmänner: Morgens sind sie in der Universität und abends bedienen sie in den Bistros der Stadt, vor allem am Wochenende in den Bars.

Andere Studenten arbeiten als Nachhilfelehrer in reichen Familien: Bei Führungskräften humanitärer Hilfsorganisationen, Anführern der Rebellionen oder bei Kaufleuten. Die Studenten betreuen deren Kinder der Primär- und auch der Sekundärschulen. Am Monatsende kommen sie manchmal auf 10 - 15 $ pro Monat für ein betreutes Kind.

Die jungen Mädchen sind noch schlechter dran. Oft werden sie zur "Beute" der Reichen, der Händler, hoher Funktionäre der öffentlichen Verwaltung oder entlassener Angestellter humanitärer Hilfsorganisationen.

Einige Mädchen versuchen dieser Abhängigkeit zu entkommen, indem sie sich auf eine Beziehung zu einem Mann höherer Schichten einlassen, der ihnen alle Kosten für die notwendige Bildung finanziert. Als Gegenleistung sind sie dem "Financier" ausgeliefert und müssen alle seine sexuellen Bedürfnisse befriedigen. Hiervon sind vor allem Mädchen im Alter von 14 bis 17 Jahren betroffen.

In Muhumba, einem Wohnviertel von Bukavu, wohnen jetzt einige belgische und russischen Piloten, die ihren pädophilien Neigungen nachgehen. Den Piloten werden von Vermittlern, meistens jungen Männern oder Jugendlichen, die Mädchen gebracht. Die Vermittler erhalten für ihre Dienste einige Dollar pro Mädchen. Der Coltanrausch brachte diese Piloten nach Bukavu. Sie transportieren mit burundesischen, ugandesischen und rwandesischen Kleinflugzeugen profitbringende Mineralien aus dem Minenbereich um Mwenga, und dies zur eigenen Bereicherung und zur Bereicherung ihrer Chefs. Nach anstrengenden Tagen der Fliegerei versüßen sie ihre Erholungszeit durch die Anwesenheit der Mädchen.

Die Vorgänge haben bereits ein derartiges Ausmaß angenommen, dass die christlichen Kirchen der Region gegen diese Praktiken mobil machen, sie öffentlich verurteilen. Die Kirchen machen sich Sorgen um das Ansehen der Familien und der Gesellschaft aus ganz Bukavu. Inzwischen haben die Akteure dieser schmutzigen Praktiken ihre Taktik geändert: Um Kontrollen zu entgehen, bringen sie die Mädchen in sogenannte "Toleranzhäuser" nach Kamembe oder Cyangugu/Rwanda. Dort sind sie vor neugierigen Blicken sicher. Nicht selten können dann die Mädchen ihrer Ausbildung nicht mehr nachgehen und rutschen völlig in die professionelle Prostitution ab.

Vor einigen Jahren traf man in den Bistros und Nachtbars von Bukavu lediglich Frauen ab 25 Jahren. Heute findet man dort vor allem junge Mädchen im Alter von 14 - 17 Jahren. Teilweise rauchen sie Haschisch, trinken Alkohol oder nehmen zur Anregung andere Drogen. Nach und nach verlieren sie jeglichen Rückhalt bei ihren Verwandten und Freunden. Meist tragen sie dünne, aufreizenden Kleider mit dem Ziel, die Freier anzuziehen. Diese Mädchen sind Zielscheibe von Transithändlern, die aus dem Hinterland nach Bukavu, Goma oder Uvira kommen, um hier ihre Erze zu verkaufen und Fertigprodukte aufzukaufen. Diese Händler sind nicht in die hier lebenden Gruppen eingebunden, kennen die hiesigen Verhältnisse nicht. Von den jungen geschminkten Mädchen, die in ihrem Aufzug wie Schmetterlinge wirken, werden sie regelrecht geblendet. Die Präventionsmaßnahmen gegen Aids sind ihnen oft auch nicht bekannt, und so ist das Ansteckungsrisiko in unserer Region sehr groß geworden.