Jahresbericht 2008 Drucken
anlässlich der Mitgliederversammlung vom 14.03.2009 in Hildesheim

A. Arbeit in Deutschland

I. Vorstandstreffen
Der Vorstand traf sich am 15.11.2008 in Hildesheim. Im Mittelpunkt der Erörterungen standen
 
  • Die Förderung einer zweiten Phase von fünf bereits zuvor unterstützten Projekten
  • Die Sicherheitslage im Ostkongo
  • Die Öffentlichkeitsarbeit (Internetauftritt)

Von den Partnern wurden Anträge für eine zweite Förderung („nouveau souffle“) für fünf Projekte vorgelegt. Mit dem Richtsatz von 1500 € wurden drei von ihnen in die Förderung aufgenommen und das Geld überwiesen. Es handelt sich um drei Samen- und Kleintierprojekte. Die lokalen Partner sind

1.    Das Projekt „Buguma“ (2) in Nshanga, Kabare
2.    Das Projekt „Rhujembere“ (2) in Kahembarhi, Walungu
3.    Das Projekt „Rushangane“ (2) in Cirunga, Kabare

Zwei weitere Projekte – ein Quellenprojekt und ein Behindertenprojekt - mussten überarbeitet werden, was inzwischen ebenfalls geschehen ist. Die Überweisungen können demnächst vorgenommen werden:

4.    Quellenprojekt ADINIR (2) mit € 4455
5.    Behindertenprojekt Pignon (2) mit € 1500


2. Öffentlichkeitsarbeit
  • Die Friedrich-List-Schule Hildesheim veranstaltete am 26.05.2008 einen Afrika-Tag, zu dem ProKivu einen aktuellen Bericht aus dem Südkivu beisteuerte. Die bereits bewährten Aktionen „Feuerzangenbowle“ und FLS-Lotto wurden mit gutem Ergebnis weiter geführt. Darüber hin- aus spendeten Einzelpersonen aus dem Lehrerkollegium. Ganz herzlichen Dank an alle Freundinnen und Freunde in der FLS!
  • Die Verleihung des Johanna-Loewenherz-Preises, eines kommunalen Frauenpreises, verliehen durch den Kreis Neuwied im März 2008, gab mir Gelegenheit, vor einer größeren Zuhörerschaft und auch in Zeitungsinterviews auf die Situation der Menschen im Ostkongo aufmerksam zu machen.
  • Die ProKivu-Internetseite wurde aktualisiert.

B. Arbeit im Süd-Kivu

1. Aktuelle Nachrichten
Odile Bulabula und Stanislas Lubala von Ushirika haben sich in den letzten Wochen mit Berichten zu den Projekten und Grüßen zu der heutigen Sitzung gemeldet. Unter Vorsitz von René Rubambura haben sich die Mitarbeiter im Jahresverlauf zur Entwicklung in den Projekten getroffen.
Im Jahr 2008 ging bei Ushirika die Arbeit nur langsam voran. Dabei sollte man sich die Belastung von Odile und Stanislas, die hauptberuflich im Entwicklungsbüro der ECC arbeiten, vergegenwärtigen. Die ECC Süd-Kivu ist intensiv tätig für den Amani-Friedensprozess im Ostkongo, der 2008 voran getrieben wurde. Unter Federführung der großen Kirchen konnten die Konfliktparteien - außer der CNDP von Laurent Nkunda - zu Verhandlungen um einen Tisch gebracht werden. Der Amani-Prozess wird von der UNO und der EU unterstützt. Für Mitarbeiter von Ushirika hat das Folgen, wenn es im Entwicklungsbüro der Kirche z.B. um die Versorgung von Binnenvertriebenen geht.

  • Als im Oktober die Kämpfe um Goma heftig aufflammten, befand Odile sich gerade zu einer Tagung in Goma. Sie konnte die Stadt noch mit dem Schiff verlassen.
  • Auch Stanislas habe ich bei meinen Anrufen verschiedentlich auf Seminaren und dienstlichen Reisen in der ganzen Region angetroffen.
  • Die Menschenrechtslage im Süd-Kivu ist weiterhin prekär. Im Sommer wurde wieder ein regimekritischer Journalist ermordet. Es ist nicht ratsam, bei Dunkelheit aus dem Haus zu gehen.
  • Neben dem Arbeitsdruck und der latenten Gefahr gibt es wirtschaftliche Probleme: Zu Jahresende 2008 verlor der Franc congolais innerhalb weniger Tage sehr stark an Wert und die Preise verdoppelten sich. Der große Markt in Kadutu, wo sich die Bevölkerung mit allem Notwendigen versorgt, wurde vorübergehend geschlossen.

Gute Nachrichten aus der Region: Dr. Denis Mukwege, Leiter der Medizinischen Koordination der ECC S/Kivu und Chefarzt des Panzi-Hospitals, wo man sich speziell um die sexuell traumatisierten Frauen kümmert, ist gleich mehrfach ausgezeichnet worden: Mit dem UN-Menschenrechtspreis 2008, mit dem Olof-Palme-Preis 2008 und mit dem Titel „Afrikaner des Jahres 2008“, vergeben durch eine nigerianische Zeitung. Das alles rückt den Ostkongo in das Licht der Weltöffentlichkeit und gibt hoffentlich Dr. Mukwege, der sich durch seine menschenrechtlichen Stellungnahmen stark exponiert hat, einen gewissen Schutz. Bukavu hat das Ereignis ganz offiziell mit einem Autokorso gefeiert. Der UN-Generalsekretär hat seinen Besuch in Bukavu angesagt.



2. Projektberichte

Projekt  « Pignon » (1) für die Ausbildung von Hör- und Sprachbehinderten in Bukavu
Projekt  « Rhujembere » (1), landwirtschaftliches Projekt in Kahembarhi, Walungu
Projekt  « Buguma » (1), landwirtschaftliches Projekt in Nshanga, Kabare
Projekt  « Rhushangane » (1), landwirtschaftliches Projekt in Cirunga, Kabare
Projekt  « ADINIR » (1), Wasserquellen in Kamisimbi, Walungu
Projekt  « Ephata Neema », Werkstatt für jugendliche Hör- und Sprachbehinderte in Bukavu



Erreichte Ziele

Projekt  « Pignon » (1) der Hör- und Sprachbehinderten in Bukavu
Die vorgesehene Ausrüstung für die Ausbildung im Schreinerhandwerk und in der Schneider- und Strickwerkstatt wurde beschafft. Die Jugendlichen haben ihre Ausbildung wie vorgesehen durchlaufen. Viele, die ihre Ausbildung wegen Mangel an Werkzeug und Material zuvor abgebrochen hatten, konnten sie wieder aufnehmen. Werkzeug chinesischer Herkunft für die Schreinerwerkstatt erwies sich leider als von schlechter Qualität und wenig haltbar. Im Projekt war nicht vorgesehen, die Jugendlichen, die die Ausbildung abschließen, mit eigenem Werkzeug für die berufliche Eingliederung zu versehen, weshalb eine 2. Phase eingerichtet wurde. – Dank dieses Projekts konnte eine Unterstützung durch PNUD Bukavu für die Abteilung Seifenherstellung, mit Wiedereingliederung der Teilnehmer in die Familien, gesichert werden.


Projekt  « Rhujembere » (1), landwirtschaftliches Projekt in Kahembarhi, Walungu
Es handelt sich um ein Rotationsprojekt mit Samen, Schweinen und Ziegen. Die Bestände an Schweinen wurden von der Schweinepest über mehrere Jahre hintereinander fast ganz vernichtet, während die Ziegen sich gut entwickelten und junge Ziegen wie vorgesehen im Rahmen der Rotation verteilt wurden. Es wurde beschlossen, die restlichen Schweine durch Ziegen zu ersetzen. Da es zwei gute Ernten hintereinander gab, konnten fast alle vorgesehenen Haushalte im Rahmen der Rotation mit Samen versorgt werden.


Projekt  « Buguma » (1), landwirtschaftliches Projekt in Nshanga, Kabare

Dies Projekt zwischen Bukavu und Kabare hat einen guten Zugang zum Markt von Mudaka, der der Getreidemarkt für Bukavu ist und nahe der Stadt liegt. Das Projekt umfasst landwirtschaftliche Förderung, Beschaffung von Gerät, Aufzucht von Meerschweinchen und Hasen. Die saisonnalen Bedingungen zur Zeit der Aussaat waren schlecht, was die Ernte beeinträchtigte und zu erheblichen Verzögerungen bei der Rotation von Samen führte. Das Gerät wurde nur an die ärmsten Mitglieder ausgegeben, die selbst nicht in der Lage waren, sich welches zu besorgen. Die Aufzucht von Meerschweinchen und Hasen ist rentabel für die Haushalte und kann von Kindern unter Aufsicht der Eltern durchgeführt werden. Dank des Projekts knüpfen die Bewohner von Nshanga an ihren guten Ruf an, den sie vor dem Krieg für ihre landwirtschaftlichen Produkte, vor allem Gemüse, hatten. Zahlreiche Haushalte machen wieder einen Gewinn daraus.


Projekt  « Rhushangane » (1), landwirtschaftliches Projekt in Cirunga, Kabare
Dies ist ein strategisches Projekt für Ushirika, weil es am Zugangsweg zu Kabare liegt und bei den Autoritäten einen guten Ruf hat. Die Basisinitiative hatte eine Unterstützung in Form von Samen und Haustieren (Schweinen, Hasen und Meerschweinchen) erhalten, sowie landwirtschaftliches Gerät, insbesondere Hacken. Die Schweinezucht gelang hier gut, da es keine Fälle von Schweinepest gab, was einem Mitglied der Gruppe zu verdanken ist, der Mittel und Wege der Behandlung kennt. Die Bodenverhältnisse in Cirunga sind stabil, es gibt keine Schäden durch Erosion. Allerdings nimmt die Fruchtbarkeit des Bodens seit einigen Jahren ab, und man versucht, das wett zu machen durch die Vermittlung von Techniken der  Kompostierung. Die Vermehrung der Samen und die Rotation zwischen den Haushalten gelingen. Erfolgreiche Haushalte haben Geräte erhalten zur Belohnung für ihre Anstrengungen.


Projekt  « ADINIR » (1), Wasserquellen in Kamisimbi, Walungu
Nach den Erfahrungen mit dem Projekt zur Einfassung von Wasserquellen in Kakundu, Miti (2000) ist dies das zweite Quellenprojekt. Es waren zwei Hauptaktivitäten vorgesehen, die Prospektion und Auswahl der Quellen und ihre Einfassung. Bei allen Schritten war die örtliche Bevölkerung eingebunden, mit Aktionen auf unterschiedlichen Ebenen, entsprechend der Struktur der Dörfer. Neben Animation und Sensibilisierung wurde auch eine Fortbildung zum Betrieb der Wasserquellen durchgeführt. Die Nutznießer haben einiges an Aufklärung und Anleitung erhalten. Die Einfassungsarbeiten wurden ohne Zwischenfälle und unter guter Zusammenarbeit der Techniker, der einheimischen Bevölkerung und der umgebenden Dörfer durchgeführt. Unzufriedenheit gab es nur an einigen Orten, deren Quellen im Rahmen dieses Projekts nicht ausgewählt worden waren, die aber geeignete Quellen haben.


Projekt  « Ephata Neema » der jugendlichen Hör- und Sprachbehinderten in Bukavu
Diese zweite Behindertengruppe hatte Werkzeuge und Materialien zur Unterstützung für die Schreiner- und die Schneiderwerkstatt erhalten. Die Gruppe war vor der Förderung stark angewachsen und hatte nicht genug Arbeitsmittel, sodass einige Jugendliche bereits entmutigt aufgegeben hatten. Die Unterstützung hat diesem Mangel abgeholfen. Leider wurden einige Monate später Werkzeuge und Materialien aus der Behindertenwerkstatt von Unbekannten gestohlen. Während der Begleitung haben wir festgestellt, dass die Verantwortlichen sich bemüht haben, das Gestohlene zu ersetzen. Wir sind zuversichtlich, dass sie, wie sie selbst angeben, bis Jahresende mehr als drei Viertel ersetzt haben werden.


Ausstehende Berichte:
  • Projekt für Kinder des Zentrums „Marafiki wa Mazingira“ (Freunde der Natur) 
  • Projekt „Förderung für Blinde und Sehbehinderte“
Beide Projekte wurden 2007 erstmals vorgelegt und werden seit 2008 gefördert.


Schlussfolgerung:
Ushirika schreibt: „Die Realisierung der Aktivitäten wird für die Ausführenden bei Ushirika immer schwieriger. Eine Intensivierung der Projektbesuche wäre notwendig. Es ist nicht zu übersehen, dass jede Unterstützung neue Bedürfnisse in den Zielgruppen nach sich zieht. Dabei geht es um die Suche nach dem bestmöglichen Ertrag aus den Ergebnissen der durchgeführten Aktivitäten.“
Es geht also um Begleitung und Nachhaltigkeit. Für diese wichtigen Aspekte ist die enge Zusammenarbeit mit Ushirika gefragt. Durch die Förderung einer zweiten Phase unterstützt ProKivu die Nachhaltigkeit guter Projekte. Wir gehen davon aus, dass diese Kontinuität auch die Begleitung erleichtert, da Ushirika die Partner gut kennt.
Angesichts der begrenzten personellen Ressourcen von Ushirika ist weiterhin darauf zu achten, erst dann neue Projekte zu starten, wenn bei den laufenden ein erfolgreicher Abschluss in Sicht ist. Die Tatsache, dass Projekte länger als 1-2 Jahre dauern, kann unter den gegebenen Umständen nicht verwundern. Das Augenmerk sollte sich vor allem auf die Sorgfalt im Detail richten.


4. Neue Projektanträge
Projektanträge für 2009 sind nicht eingegangen.



Tübingen, den 07.03.2009

Dr. Elisabeth Fries
Vorsitzende ProKivu e.V.