Jahresbericht 2007 Drucken
anlässlich der Mitgliederversammlung vom 01.03.2008 in Hildesheim


A. Arbeit in Deutschland

I. Vorstandstreffen

Der Vorstand traf sich am 11.05. und am 25.11.2007 in Hildesheim. Im Mittelpunkt der Erörterungen standen

  • Die Projektreise von E. Bohnsack und E. Fries in den Süd-Kivu
  • Auswirkungen der aktuellen Sicherheitslage im Süd-Kivu auf die Arbeit der Partnerorganisation Ushirika
  • Die Förderung neuer Projekte
  • Die Öffentlichkeitsarbeit (Internetauftritt)

1. Neue Projekte des Jahres 2007

Der Vorstand hatte fünf Anträge auf Förderung vorliegen, davon einen aus dem Vorjahr, der vervollständigt worden war. Wegen des Kaufkraftverlusts des US$ mussten die Mittel für die Projektförderung heraufgesetzt werden. In Zukunft beträgt der Richtsatz für ein neues Projekt nicht mehr US$ 1500, sondern € 1500. Mit je 1500 € wurden neu in die Förderung aufgenommen
   
  • Das Projekt „Ausbildungsprogramm im Kleinhandwerk für Blinde und Sehbehinderte in Bukavu“ des kirchlichen Blindenzentrums CEA. Mädchen und Frauen erhalten dadurch die Möglichkeit, Handarbeiten anzufertigen und Kleingebäck zum Verkauf herzustellen; Jungen und Männer betreiben eine Hühner- und Hasenzucht. Das Projekt ist auf ein Jahr angelegt. Nach Ende der Ausbildung erhalten die Geförderten Materialien bzw. Tiere, mit denen sie selbständig weiter arbeiten. Jedem Blinden ist eine sehende Person zugeordnet, um Diebstahl beim Verkauf zu verhindern. Im Rahmen von CEA wird auch Schulunterricht für Sehbehinderte erteilt, der jedoch nicht Gegenstand des Projekts ist.
  • Das Projekt „Erweiterung der Aktivitäten von Kindern in Miniaufzucht und Landwirtschaft“ des Centre Marafiki wa Mazingira (Freunde der Natur) in Kabare. Hierbei handelt es sich um ein von Innocent Balagizi, einem über die Region hinaus bekannten Biologen und Fachmann für natürliche Medizin angestoßenes Zentrum. Im von uns geförderten Projekt werden Schulkinder und Vorschulkinder mittelloser Eltern bei der Pflege von Meerschweinchen und Hasen angeleitet und lernen den sorgsamen Umgang mit natürlichen Ressourcen. Sie sollen durch das Projekt in Stand gesetzt werden, sich selbst ihr Schulgeld zu verdienen.

Drei Projekte konnten nicht in die Förderung aufgenommen werden, weil sie von der Konzeption her unklar, im Kostenvoranschlag überhöht und/oder vom Budget her außerhalb des Rahmens für ein erstes Projekt eines neuen Trägers lagen.


2. Öffentlichkeitsarbeit

Die Friedrich-List-Schule Hildesheim veranstaltete auch 2007 wieder Aktionen zugunsten von ProKivu: Die bereits bewährten Aktionen „Feuerzangenbowle“ und FLS-Lotto wurden mit gutem Ergebnis weiter geführt. Die Theaterfreunde der FLS steuerten einen Löwenanteil bei. Darüber hinaus spendeten Einzelpersonen aus  dem Lehrerkollegium und der Schule. Ganz herzlichen Dank an alle Freundinnen und Freunde in der FLS!


B. Arbeit im Süd-Kivu

1. Bericht über die Projektreise in den Süd-Kivu vom 24.07.-08.08.2007
siehe Beilage


2. Aktuelle Nachrichten

Am Sonntag, dem 03.02.2008 morgens um halb zehn wurde die Gegend von Bukavu und Cyangugu / Ruanda von einem Erdbeben der Stärke 6.2 (Richter Skala) getroffen. Nach einer mail aus Bukavu vom 28.02. gab es bis jetzt über 300 Nachbeben, davon sechs von Erdbebenstärke. Es wird vor einem noch stärkeren Beben gewarnt, das bevorstünde, und die Menschen leben weiterhin in Angst. Der ostafrikanische Grabenbruch ist bekanntermaßen gekennzeichnet durch Vulkanismus und Verschiebungen von Erdplatten in der Tiefe. Doch seit Menschengedenken hat es keine derartige Serie starker Beben gegeben. Wie viele Opfer zu beklagen sind, wird wohl nie bekannt werden, da genaue Zahlen aus den Dörfern im Epizentrum Kabare nicht zu erwarten sind. Jessie Bohr vom EED schrieb gleich zu Anfang: „Jeder hier kennt jemanden, der ein Familienmitglied oder einen Nachbarn verloren hat.“ Es werden sehr erhebliche Schäden an Gebäuden gemeldet, in den Häusern ist viel an Glas, Geschirr etc. zu Bruch gegangen. Hilfsmaßnahmen der internationalen Organisationen laufen, erreichen aber nicht die Betroffenen in den entfernter gelegenen Dörfern. Kirchen und Regierung bemühen sich um Beruhigung der Bevölkerung. Die meisten Menschen kampierten anfangs nachts auf den Straßen. Kleine Kinder wurden aus Sicherheitsgründen und wegen der Kälte in Autos schlafen gelegt. Kinder werden weiter unterrichtet in z.T. stark beschädigten Schulgebäuden.  Lehrer berichten, dass sie traumatisiert sind und dem Unterricht kaum folgen können.

Wir sind froh und dankbar, dass in den Familien unserer Partnerorganisation Ushirika niemand verletzt worden ist und auch unser Berater Père Franco Bourdignon wohlauf ist. Alle von Ushirika senden Grüße für unsere heutige Sitzung.

 
3. Projektberichte 2007

Wegen der Erdbebenkatastrophe haben wir die üblichen Projektberichte von Ushirika nicht rechtzeitig zur heutigen MV erhalten. Es wurde unsererseits vorgeschlagen, dass sie zur nächsten Vorstandssitzung im Mai vorgelegt werden sollen. Da Emmeli und ich gemeinsam mit Ushirika eine große Zahl von Projekten im vergangenen Jahr selbst besucht haben, liegt der Sachstand vor dem Beben ja vor. Die Bilanz der geleisteten Arbeit ist spürbar positiv, und die Projektpartner bezeugen das auch. Angesichts der begrenzten personellen Ressourcen von Ushirika ist weiterhin darauf zu achten, erst dann neue Projekte zu starten, wenn bei den laufenden ein erfolgreicher Abschluss in Sicht ist. Die Tatsache, dass Projekte in Verzug geraten, bereitet uns als solche keine Sorgen. Unser Augenmerk sollte sich nach wie vor auf die Sorgfalt im Detail richten.


4. Neue Projektanträge

Für einige der laufenden Projekte wird es eine neue Phase gehen („nouveau souffle“). Voraussetzung dafür sind Zwischenberichte, die wir demnächst erwarten. Darüber hinaus wurden für 2008 bisher keine neuen Projektanträge angekündigt.
 
In unseren laufenden Projekten wird keine bauliche Infrastruktur unterstützt. Dennoch sind Folgeschäden durch die Erdbeben nicht auszuschließen, z. B. bei Quelleneinfassungen, und es kann sein, dass wir Projektanträge bzgl. Rehabilitation nach Erdbebenschäden erhalten.

Angesichts der Schäden, die durch die Erdbeben in Bukavu entstanden sind, wird die MV gebeten, einer finanziellen Einmalhilfe zur Rehabilitation zuzustimmen. Es wird vorgeschlagen, dies als ein eigenes Projekt zu führen.
 

Tübingen, den 28.02.2008

Dr. Elisabeth Fries
(Vorsitzende ProKivu e.V.)