Projektreise Bukavu Drucken
vom 24. Juli – 7. August 2007


In diesem Sommer flogen wir ( Elisabeth Fries und Emmeli Bohnsack)  nach einer 5-jährigen Pause nach Bukavu, um dort unsere Partnerorganisation Ushirika zu besuchen. Wir wollten uns ein Bild von den von uns unterstützten Projekten machen und uns auch über die allgemeine Lage im Kivu informieren.

Die Situation hat sich dort seit dem letzten Besuch 2002 sehr verändert. Im Jahr 2006 wurde der Übergangspräsident Joseph Kabila in seinem Amt bestätigt, dabei wurde er sehr von den Menschen im Kivu ( Ostkongo) unterstützt. Doch ist im Ostkongo seitdem die Lage nicht ruhiger geworden. Im Gegenteil! Marodierende Milizen und Banditen terrorisieren die ländliche Bevölkerung in einem unbeschreiblichen Ausmaß. In den letzten Monaten gab es immer wieder Artikel in den großen Tageszeitungen und auch einen Bericht im Fernsehen über die grausamen, ungeahndeten  Vergewaltigungen, mit denen die Bevölkerung destabilisiert und zerstört wird. Dies sind alles noch Folgen des Rwanda Krieges von 2004.

Während es im Rest des Landes relativ ruhig ist, geht im Kivu ein unausgesprochener Krieg weiter, der sich besonders gegen die Frauen richtet.

Dadurch, dass die Menschen sich in den Dörfern nicht mehr sicher fühlen, flüchten sie sich in die Städte. So hat sich die Einwohnerzahl Bukavus in den letzten Jahren verdreifacht, man rechnet mit ungefähr 1 Million Einwohnern.  (Als wir 1993 ausreisten sprach man von 350.000 !) Die Hügel um Bukavu herum sind alle abgeholzt und mit einfachen Holzhütten zugebaut, die während der nächsten Regenzeit in der Gefahr sind, einfach weggespült zu werden. Im Stadtbild fallen die Menschenmassen auf, für die die Infrastruktur gar nicht ausgelegt ist. Man fragt sich, wo diese vielen Menschen ihr tägliches Essen finden und wo sie abends unterkommen werden… Gewaltig zugenommen hat auch der Verkehr, es gibt viel mehr Autos und Motorräder als früher und das bei katastrophalsten Straßenverhältnissen, es passieren laufend Unfälle.

Trotz alledem haben wir zwei sehr interessante, spannende, informative und sehr herzliche Wochen in Bukavu verbracht. Linda und Horst Gebbers von der Pharmakina stellten uns freundlicherweise ihr Gästehaus, direkt am idyllischen Kivu-See gelegen, zur Verfügung. Von dort aus konnten wir, erfrischt von unserem morgendlichen Bad im See, unsere täglichen Unternehmungen zu den verschiedenen Projekten starten. Meistens waren wir von morgens 7.00 Uhr bis abends 17.00 Uhr unterwegs. Um 18.00 Uhr wird es dunkel und dann sollte man besser zu Hause sein. In Bukavu und der näheren Umgebung war es während unseres Aufenthaltes ruhig, so dass wir ohne Probleme 7 Projekte direkt besuchen konnten. René Rubambura, der Präsident von Ushirika hatte ein Auto und sich selbst zur Verfügung gestellt und fuhr uns Tag für Tag durch die Gegend. Wir sind ihm sehr dankbar für diese große Hilfsbereitschaft.

Nach einer 1. gemeinsamen Sitzung am Ankunftstag war das Programm für die nächsten 2 Wochen mit Ushirika erstellt und am 27. Juli konnte es dann losgehen.

Wir besuchten verschiedene Projekte innerhalb der Stadt Bukavu:


Pignon des Jeunes Sourds-Muets

Eine Initiative für gehörlose Jugendliche, die dort verschiedene Handwerke,

wie Tischlern, Nähen und Seifenherstellung erlernen. Hier hatte ProKivu eine Unterstützung für Nähmaschinen und Handwerkszeug gegeben. Wir waren sehr zufrieden mit ihren Aktivitäten.

Außerdem besuchten wir eine Gesundheitsstation, die Medikamente aus Heilpflanzen herstellt, die die Bevölkerung zu einem erschwinglichen Preis kaufen kann. Hier hatte ProKivu Geld für Fortbildung, Verpackung der Medikamente und für Fahrräder zur Vermarktung gegeben.

Eine weitere Gehörloseninitiative mit Namen Ephata Neema, die auch eine Schneiderei und eine Tischlerei betreibt, erwies sich als problematisch, da dort das von uns unterstützte Material gestohlen worden war und die Gruppe bisher noch keine Anstrengungen unternommen hatte, aus sich heraus zu neuem Material zu kommen.

In Bukavu-Stadt trafen wir uns mit den Verantwortlichen der verschiedensten Gruppen aus der weiteren Umgebung, die zu weit weg waren, um besucht werden zu können:

ADR, ein landwirtschaftliches Projekt, das mit Ziegen und Schweinen unterstützt worden war.

FUM-Mwenga und Foyer Espérance, zwei verschiedene Projekte, die sich mit der Unterstützung und Wiedereingliederung vergewaltigter Frauen und Mädchen befassen.

ASEF, ein bereits abgeschlossenes, sehr erfolgreiches Ziegenprojekt am Tanganyika See

ADINIR, ein großes, sehr erfolgreiches Quellenprojekt


Folgende Projekte ( 20 – 30 km von Bukavu entfernt ) haben wir direkt besucht, Cirunga und Bushwira:

Diese Dörfer hatten von uns Schweine, Kaninchen, Meerschweinchen und Geräte zum Bearbeiten der Felder bekommen. Die Tiere sollten im rotierenden Verfahren nach und nach an alle Gruppenmitglieder weitergegeben werden. Das heißt, wenn die Tiere Junge bekommen, werden diese an weitere Gruppenmitglieder abgegeben, bis schließlich alle Mitglieder versorgt sind.

Unsere Besuche gestalteten sich so, dass wir uns die Projekte anguckten, danach gab es eine Versammlung mit den Gruppenmitgliedern, wobei über die Erfolge, Probleme und Verbesserungsmöglichkeiten diskutiert wurde. Das Rotations-

verfahren eignet sich sehr gut bei Kaninchen und Meerschweinchen, bei den Schweinen hatte es Probleme gegeben. Sie werden schnell krank und sind teuer in der Versorgung. Deshalb beschlossen wir, keine Schweineprojekte mehr zu unterstützen. Die anderen Tierprojekte zeigten meist sehr gute Ergebnisse und helfen den Menschen, ihre Lebensverhältnisse zu verbessern.

Besonders beeindruckend fanden wir Maman Mwaleta, die uns sichtbar stolz erzählte, wie die Tiere ihr helfen, das Schulgeld für die Kinder, Kleidung oder Lebensmittel zu bezahlen. Sie hat 8 Kinder und muss alles alleine schaffen, ihr Mann ist schon seit langer Zeit verschwunden. Sie hat Schweine, Kaninchen, Meerschweinchen und Ziegen.

Ein Vorteil der Meerschweinchen ist es, dass die Kinder sich selbst um die Tiere kümmern und sich so selbst ihr Schulgeld erwirtschaften können.

Die Rückfahrt an diesem Tag gestaltete sich sehr abenteuerlich, da gegen Mittag plötzlich Regen einsetzte, der eigentlich in der gerade herrschenden Trockenzeit nicht zu erwarten war. So mussten wir uns schleunigst auf der schlammigen, abschüssigen Straße, die rutschig wie Schneematsch war, auf den Rückweg begeben. Aber unser hervorragender „Fahrer“ René brachte uns heil wieder nach Bukavu.

Wir haben noch ähnliche landwirtschaftliche Projekte in der Umgebung Bukavus

besucht und waren immer wieder sehr beeindruckt von den Aktivitäten der Dorfbevölkerung, die trotz der Gefährdungen durch Banditen oder marodierende Soldaten den Mut nicht verlieren.

Es gibt natürlich noch viel zu verbessern, oft sind die Gruppen viel zu groß, so dass es zu lange dauert, bis jeder mit Tieren oder Materialien versorgt ist. Es muss auch weiterhin die Kenntnis über richtige Tierhaltung vermittelt werden.

Für Ushirika bleibt da noch viel Arbeit, es reicht nicht aus, die Gruppen mit einem einmaligen Geldbetrag zu unterstützen, sie müssen weiterhin besucht und beraten werden.

Zum Ende unseres Aufenthaltes haben wir noch einmal intensiv mit Ushirika und Père Franco ( dem Berater von Ushirika vor Ort) überlegt, wie die Arbeit weitergehen kann.

Ushirika wird sich bei der Unterstützung von Projekten auf bestimmte Bereiche begrenzen:

  •  ländliche Entwicklung: Kleintierhaltung, Wiederaufforstung, Verbesserung der Landwirtschaft
  • Quelleneinfassung
  • Mikrokredite
  • soziale Projekte mit den Bedürftigsten der Gesellschaft

Wir sind voller Anerkennung, mit welchem Engagement Ushirika mit seinen begrenzten personellen Ressourcen in dieser schwierigen Region eine außergewöhnliche Arbeit leistet.

Im siebten Jahr der Zusammenarbeit ProKivu–Ushirika zur Unterstützung von Basisinitiativen im Sud-Kivu können wir feststellen, dass sich unser Ansatz bewährt hat. Unter den äußerst ungünstigen Bedingungen im Sud-Kivu hilft die „Politik der kleinen Projekte“ den Menschen vor Ort, ihr alltägliches Leben aufrecht zu erhalten und sich in gemeinschaftlichen Aktivitäten gegenseitig zu unterstützen.

ProKivu wird weiterhin hier in Deutschland auf die Situation der Menschen im Sud-Kivu hinweisen und sich um Finanzmittel für Basisprojekte bemühen.

DANKE an alle Menschen, die uns geholfen haben, diese Reise erfolgreich durchzuführen.

 
Hildesheim, im Dezember 2007

Emmeli Bohnsack